Wenn sich Bewerberinnen und Bewerber fragen: „Bin ich für den Job als persönliche Assistentin oder persönlicher Assistent geeignet?“, ist allein das schon eine gute Voraussetzung. Schwierigkeiten ergeben sich erfahrungsgemäß daraus, wenn Menschen bereit sind, JEDEN – egal welchen – Job anzunehmen, weil sie Geld verdienen müssen. Natürlich ist nichts dagegen einzuwenden, dass jemand diesen Job macht, um Geld zu verdienen. Im Gegenteil, ich als behinderte Arbeitgeberin bin froh, dass mein Assistenzbedarf anderen Menschen ihren Lebensunterhalt sichern kann. Allerdings kann ich wenig damit anfangen, wenn jemand – wie es an meinem Arbeitsplatz manchmal der Fall ist – zu mir sagt, „Ihr habt doch viele Leute, die Assistenten oder Assistentinnen suchen, gib mir einfach irgendeinen Job, egal welchen.“ Dann denke ich mir: „Nein, es ist NICHT einfach, und es ist NICHT egal, wer diesen Job macht. Es heißt nicht umsonst persönliche Assistenz, weil es genau das ist. Man arbeitet sehr eng mit jemandem in einem sehr persönlichen Umfeld zusammen. Manche Menschen haben Vorbehalte vor der intimen Situation der Körperpflege, aber gerade hier zeigt die Erfahrung, dass man sich schnell daran gewöhnt. Meiner Einschätzung nach sind Sie geeignet, wenn Sie den folgenden Aussagen zustimmen:
- Ich bin ein hilfsbereiter Mensch und es macht mir Freude, einem anderen Menschen zu helfen. Die Vorstellung, einen anderen Menschen durch seinen Alltag zu begleiten, gefällt mir.
- Ich bin einfühlsam und höre zu, was mein behinderter Arbeitgeber oder meine Arbeitgeberin möchte. Mir ist bewusst, dass er oder sie meine Hilfe braucht, aber nicht von mir belehrt oder bevormundet werden möchte. Es bringt nichts, wenn ich meinem behinderten Arbeitgeber oder meiner Arbeitgeberin das Gefühl gebe, dass ich schon alles weiß.
- Meine Sprachkenntnisse sind gut genug, um Anweisungen zu verstehen und die alltägliche Kommunikation zu gewährleisten.
- Ich respektiere seine oder ihre Privatsphäre und bin zurückhaltend mit privaten Äußerungen. Mir ist bewusst, dass es sich um ein Arbeitsverhältnis und nicht um eine Freundschaft handelt.
- Ich kann es aushalten, wenn es mal eine Weile nichts zu tun gibt. Ich kann mich dann allein beschäftigen. Ebenso bin ich belastbar, wenn an einem Tag viel los ist.
- Mir ist bewusst, dass mein behinderter Arbeitgeber seinen Alltag, seine Vorlieben, Gewohnheiten und Routinen hat, die er nicht jedes Mal ändern möchte, wenn ein neuer Assistent kommt. Daher bin ich bereit, mich hinsichtlich der Aufgaben und der Art und Weise, wie diese erledigt werden, nach dem behinderten Arbeitgeber zu richten – auch dann, wenn ich selbst es anders machen würde.
- Ich bin bereit, von Routinen abzuweichen, wenn meine behinderte Arbeitgeberin es möchte. Mir ist bewusst, dass es uns beiden nichts bringt, sich über Alltägliches zu streiten, zum Beispiel darüber, ob der Boden sauber genug ist oder nicht.
- Ich bin verantwortungsvoll und mir ist bewusst, dass die behinderte Person auf meine Hilfe angewiesen ist. Ich weiß, dass der behinderte Mensch allein ist und nichts machen kann, wenn ich nicht zum Dienst erscheine. Ich bin bereit, gelegentlich für erkrankte Kollegen einzuspringen. (Das Gleiche erwarte ich auch von meinen Kollegen).
- Ich bin zuverlässig und halte mich an getroffene Absprachen. (Das Gleiche erwarte ich auch von meinem behinderten Arbeitgeber und von den Kollegen). Mir ist bewusst, dass ich Teil eines Teams bin, in dem ich Wünsche und Notwendigkeiten anbringen kann, ebenso aber auch meine Kolleginnen und Kollegen.
- Ich bin ein Mensch, der gerne im Voraus plant und mir ist bewusst, dass nachträgliche Änderungen des Dienstplans meistens Stress verursachen und die Ausnahme sein sollten.